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Lungentransplantation bei Lungenfibrose

Schreitet die Lungenfibrose trotz optimaler Therapie weiter fort und ist die Lungenfunktion erheblich eingeschränkt, kann eine Lungentransplantation unter bestimmten Voraussetzungen als gute therapeutische Option in Betracht gezogen werden.

Die Lungentransplantation – eine weitreichende Entscheidung

Der Gedanke an eine Lungentransplantation ist für viele Betroffene zunächst mit Unsicherheit und Sorge verbunden. Es handelt sich um einen großen operativen Eingriff mit lebenslangen Konsequenzen. Zwar wird die zugrunde liegende Lungenfibrose durch die Transplantation überwunden, dennoch bleibt eine „Erkrankung“ bestehen, die eine lebenslange medizinische Betreuung und Therapie erfordert.

Gleichzeitig kann eine Lungentransplantation für ausgewählte Patientinnen und Patienten eine deutliche Verlängerung der Lebenserwartung sowie eine Verbesserung der Lebensqualität ermöglichen. In enger Abstimmung mit der behandelnden Pneumologin bzw. dem behandelnden Pneumologen können sich Betroffene frühzeitig informieren und gegebenenfalls in einem Transplantationszentrum vorstellen, um den Ablauf einer möglichen Listung und Transplantation zu besprechen.

Nicht jede Person mit Lungenfibrose kommt für eine Lungentransplantation infrage. Die Entscheidung erfolgt individuell und nach sorgfältiger medizinischer Abwägung.

Kriterien

65 Jahre sind keine starre Grenze mehr.

Der allgemeine körperliche Zustand sollte gut sein.

Die gute Funktion anderer Organe wie Herz, Nieren und Leber.

Schwere Begleiterkrankungen sollten nicht vorliegen.

Psychische Stabilität und Belastbarkeit, das soziale Umfeld (Familie) muss Halt geben. 

Es sollte die Fähigkeit und Bereitschaft geben, aktiv an der Nachsorge mitzuwirken.

Das Wichtigste: Man muss es selbst für sich wollen!

Der Weg zur Transplantationsabklärung

Idealerweise arbeitet der behandelnde Lungenfacharzt oder das betreuende Lungenzentrum eng mit einem Transplantationszentrum zusammen. Besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Lungentransplantation, erfolgt eine Überweisung an ein spezialisiertes Transplantationszentrum. Dort beginnt ein umfassender Abklärungsprozess, der sich über mehrere Wochen oder Monate erstrecken kann.

Ein Teil der erforderlichen Untersuchungen kann – in Abstimmung mit dem Transplantationszentrum – wohnortnah erfolgen, andere werden direkt im Transplantationszentrum durchgeführt. Es ist sinnvoll, sich frühzeitig um notwendige Facharzttermine zu kümmern, um den Ablauf der Abklärung zu erleichtern und zu beschleunigen (z. B. HNO-Ärztin/-Arzt, Zahnarzt, Urologie/Gynäkologie).

Vorab-Untersuchungen

  • ausführliche Lungenfunktionsdiagnostik
  • Blutuntersuchungen
  • kardiologische Untersuchungen (z. B. Echokardiographie, Herzkatheter)
  • bildgebende Verfahren wie CT oder Röntgen
  • Belastungstests
  • Infektionsdiagnostik
  • psychologische und psychosoziale Gespräche

Aufnahme auf die Warteliste

Erfüllt eine Patientin oder ein Patient alle erforderlichen Voraussetzungen, kann in enger Abstimmung mit dem Transplantationszentrum die Aufnahme auf die Warteliste für eine Lungentransplantation erfolgen. Die Entscheidung zur Listung wird stets gemeinsam mit dem behandelnden medizinischen Team getroffen. Einen „richtigen“ oder festgelegten Zeitpunkt für die Listung gibt es nicht.

Mit der Aufnahme auf die Warteliste beginnt eine Zeit des Wartens, die häufig von Hoffnung, Unsicherheit und Geduld geprägt ist. Die Vergabe der Spenderorgane erfolgt nach klar definierten medizinischen Kriterien. Maßgeblich sind unter anderem die Dringlichkeit, die Erfolgsaussichten sowie die Übereinstimmung von Größe und Blutgruppe. Die Dauer der Wartezeit ist individuell sehr unterschiedlich und nicht vorhersehbar.

Während dieser Zeit – auch bereits vor einer aktiven Listung – ist es wichtig, die Vorgaben des Transplantationszentrums einzuhalten.

Vorgaben

  • regelmäßige ärztliche Kontrolltermine
  • eine möglichst stabile körperliche Verfassung
  • körperliche Aktivität im Rahmen der Möglichkeiten (z. B. Lungensport, Atemtherapie)
  • konsequente Vermeidung von Infektionen
  • sowie bei aktiver Listung die ständige Erreichbarkeit, da der Anruf für ein Spenderorgan jederzeit erfolgen kann

Der Moment der Transplantation

Sobald ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht, zählt jede Minute. Die betroffenen Patientinnen und Patienten werden umgehend in das zuständige Transplantationszentrum einbestellt, der Transport wird dabei vom Transplantationszentrum organisiert. Die eigentliche Operation ist ein hochkomplexer Eingriff, der mehrere Stunden dauert und von einem erfahrenen interdisziplinären Ärzteteam durchgeführt wird.

Abhängig von der individuellen Situation kann eine einseitige oder – bei Lungenfibrose in der Regel – eine beidseitige Lungentransplantation notwendig sein, da bei dieser Erkrankung meist beide Lungenflügel betroffen sind. Die Zeit unmittelbar nach der Operation ist besonders kritisch und erfordert eine engmaschige intensivmedizinische Betreuung.

Leben nach der Lungentransplantation

Mit der Transplantation endet der Weg nicht – vielmehr beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Auf die Operation folgt eine oftmals lange Phase der Rehabilitation. In dieser Zeit lernen die Patientinnen und Patienten, mit der neuen Lunge zu leben, ihre körperliche Leistungsfähigkeit schrittweise wieder aufzubauen und Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen.

Ein zentraler Bestandteil des Lebens nach der Transplantation ist die lebenslange Einnahme immunsuppressiver Medikamente, die eine Abstoßung des Organs verhindern sollen. Diese Therapie erfordert ein hohes Maß an Disziplin und ist mit möglichen Nebenwirkungen verbunden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen, Bluttests und Arztbesuche gehören daher dauerhaft zum Alltag.

Trotz aller Herausforderungen berichten viele transplantierte Menschen von einer deutlich verbesserten Lebensqualität: freieres Atmen, mehr Belastbarkeit und nicht selten die Rückkehr zu Aktivitäten, die zuvor nicht mehr möglich waren.

Fazit

Die Lungentransplantation bei Lungenfibrose ist kein einfacher Weg. Sie erfordert Mut, Geduld, Durchhaltevermögen und ein starkes unterstützendes Netzwerk aus Familie, Freundeskreis und medizinischem Fachpersonal. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten – insbesondere in jüngeren Jahren und bei geeigneten Voraussetzungen – kann sie jedoch eine wertvolle Chance auf mehr Lebenszeit und eine deutlich verbesserte Lebensqualität bieten.

Der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa im Rahmen eines Vereins wie Lungenfibrose e. V., kann dabei helfen, diesen Weg nicht allein gehen zu müssen.